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Maternus, Erwin Drescher – Maternus, Bonn – Bad Godesberg

26. Oktober 2012

Einer der ganz großen Kochlegenden geht heute in den wohlverdienten Ruhestand! Nein, keiner der hochdekorierten deutschen Sterne – oder Fernsehköche, ich spreche von Erwin Drescher-Maternus, dem sympatischen und ruhigen Küchenchef. Er hat sich bewusst jahrzehntelang immer ganz bescheiden im Hintergrund gehalten. Sicherlich mitunter ein schwieriges, eigentlich fast unmögliches Unterfangen, versteht man erst, um welches Restaurant es sich hier handelt. In der heutigen Zeit nimmt man gerne  vorschnell das Wort „Promi-Koch“ und „Promi-Restaurant“ in den Mund. Er und sein Restaurant haben ein garantiertes Anrecht auf beide Attribute verdient ! Die Rede ist vom legendären, weltberühmtenWeinhaus Maternus“ von Ria Alsen-Maternus in Bonn –  Bad Godesberg, dem „Beichtstuhl“ der Bonner Republik! Hier haben im Laufe der Jahrzehnte so einige ihr Herz ausgeschüttet. Ria hatte immer ein offenes Ohr. Besonders „schwierige“ Fälle, oder  gute Freunde von Ria wurden schon mal durch den Seiteneingang eingeschleust, und man zog sich in „Oma`sPrivatgemach“ unter dem Dach des Hauses zurück!

Die mächtigsten Männer und Frauen der Welt, Kaiser und Könige, Botschafter aus aller Herren Länder, Minister, Stars und Sternchen, alle gaben sich für ein „Stell-Dich-Ein“ bei „OmaRia die Klinke in die Hand. Oft hatte es den Anschein, als hielt die Bundesregierung ihre „Sitzungen“ lieber bei einem edlen Tropfen Wein und einem excuisiten Essen im Restaurant von Ria ab. Ganz egal, ob schwarz, rot oder gelb, hier saßen alle einträchtig zusammen! Nicht im Deutschen Bundestag, sondern bei „Ria“ wurde neben nationaler Politik, auch Weltpolitik zelebriert! Gestritten wurde sich erst wieder bei den Debatten, die im Deutschen Fernsehen übertragen wurden! Nur Ria`s ebenso legendäres Küßchen links / rechts zur persönlichen Begrüßung im Restaurant zeigte eindrucksvoll, dass man es in der Gesellschaft  zu etwas gebracht hat! Dank Ria`s Wissen um die nationale und internationale politische Lage wäre Mata Hari seinerzeit sicherlich vor Neid erblasst!

Meinem Bericht schreibe ich aus Anerkennung und großem Respekt für meinen lieben Freund und Kollegen Erwin als Abschiedsgeschenk und bleibende Erinnerung! Es fällt sofort ins Auge, dass ich mehr über die glorreiche Zeit von „Ria“ schreiben muss, aber sonst gelingt es mir auch nicht, alle seine Verdienste und seine Treue für Ria über vier Jahrzehnte aufzuzeigen! Manche „hohen“ Gäste kamen wegen Ria`s herzlicher Gastlichkeit, ihrer Geselligkeit, ihrer Verschwiegenheit, … der edlen Tropfen aus ihrem stets gut gefüllten Weinkeller, manche auch wegen ihrer schönen Beine, aber ganz sicher ist, alle kamen wegen Erwin`s großartiger Kochkunst! Hier gab es damals schon alles, was das Feinschmeckerherz begehrte! Das „Grundgerüst“ der Karte blieb bis auf ein paar saisonale Änderungen über die ganzen Jahre gleich, deshalb wurde sie von vielen Neidern auch oft belächelt. Neue Trends, „Nouvelle Cuisine“ und wie sie selbst sagte, den ganzen „Schnickschnack“ lehnte sie ab!  Der Erfolg gab ihr Recht!

RM - SpeisekarteRM - SpeisekarteRM - Speisekarte

Erwin`s (Ria`s) Küche reicht von der feinsten Hausmannskost, bis zu den exclusivsten internationalen Spezialitäten. Sein Rheinischer Sauerbraten bleibt nicht nur in höchsten amerikanischen Regierungskreisen noch immer in aller Munde und Gedächtnis Die zarte krosse Ente a lÒrange, das (Kalbs) Hirn, das viele Politiker damals mit Genuss verspeisten, vielen hat es auch  geholfen …! Das (Kalbs) Bries, die Wachstumsdrüse des Kalbs, Norbert Blüm schwärmt heute noch davon …! Sein zarter, mit krosser Haut gebratener Gänseschmaus, oder vor allem die einzigartige gefüllte Seezunge Nantua, ein kulinarischer Traum. Die Fülle an süßen Köstlichkeiten, angefangen beim Mousse au Chocolat über die Charlotte Russe, bis zu den einzigartigen Crepes Suzette, über deren Zubereitung wir uns immer besonders kurz vor Feierabend  freuten …, nachträglich hierfür noch herzlichen Dank an die lieben Kollegen im Service …!

Mit dem Tod von Ria im November 2001 trat Erwin, mittlerweile Adoptivsohn von Ria sein schweres Erbe an! Auch diese zum Teil erhebliche „Erblast“ hat er bis zum heutigen Tag bravourös bewältigt. Seine Küche ist über die langen Jahre immer ein Garant für exqusite Speisen geblieben. Und genau das ist es, was ein erstklassiges Restaurant ausmacht!

Genehmigter Link: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-20899702.html

Persönlicher Dank an (m)einen lieben Freund und Kollegen: Lieber Erwin, ich erinnere mich gerne und mit Stolz an die schöne, aufregende Zeit mit Dir und Arno in der Küche. Meine Güte, was haben wir (am liebsten „Haferschleim“ …) gekocht, gelacht, manchmal laut geflucht, die Kollegen im Service  (… wie sich das für einen anständigen Koch gehört …) Horst, Peter, Roland, Willi , „Fiffi“ und den Jupp veralbert! Aber im Endeffekt haben wir als großartiges Team immer wie Pech und Schwefel zusammen gehalten! Du solltest wirklich überlegen, ein „Lese-Koch-Buch“ zu schreiben. Die gesammelten Lieblingsrezepten aus der „Hochzeit„bis heute, gespickt mit vielen lustigen, zum Teil aber auch ernsten „Anekdoten„, von denen sich ja im Laufe der Jahre „Stoff“ für einen ganzen Roman angesammelt haben dürfte! Meine Unterstützung hättest Du auf jeden Fall! Ich wünsche Dir von Herzen einen lieb gemeinten „Unruhestand„! Ich wünsche mir nur, dass es einen würdigen Nachfolger für das „Erste Haus gegenüber dem Godesberger Bahnhof“ … 😉 gibt!

Lieber Erwin, Du, Dein Maternus, Deine Küche, ihr werdet uns allen fehlen! Alle Deine Freunde, Deine alten Kollegen, alle Mitarbeiter und Deine vielen treuen Stammgäste sind traurig. Als hätte „er“ es geahnt …, auch der Himmel ist seit Mitternacht ununterbrochen am weinen! Bad Godesberg wird wieder ein Stück ärmer!

Hinweis: Bitte drückt die Daumen dafür, dass in Kürze der Link zum Bericht des WDR – Lokalzeit Bonn über das „Maternus“ vom 28.09. 2012 wieder zur Verfügung steht!

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